Auch keine Zauberei: Messingbausatz löten

Bis jetzt habe ich mich immer um die Löterei von Messingbausätzen gedrückt. Beim Aufräumen fielen mir aber einige Bausätze von Bavaria in die Hände (irgendwann mal auf einer Messe erstanden). Hm..., wem drücke ich die jetzt aufs Auge? Da auf Anhieb niemand "hier" brüllte und ich ohnehin justament einiges an nützlichem Zubehör für die Lötstation erstanden hatte*, dachte ich mir, ich könnte das ja auch mal selbst versuchen. Wär doch gelacht...

Blind (auf gut Kölsch "schäl"), wie ich bin, ist die große Leuchtlupe Werkzeug Nummer Eins. Vorsichtig trennt man die Bauteile mit einem sehr scharfen Skalpell vom Träger ab, stehengebliebene Grate werden entfernt. Ich habe die Teile dazu in eine Pinzette, die von alleine festhält, "gespannt", sodass das vorsichtige Feilen sie nicht verbiegt.

Natürlich sind die "Holz"-Einsätze über dem Rad nicht vorgebogen, ich habe die nötige Biegung an der Tischkante vorgenommen; mein Tisch besteht aus einem Rest Küchenarbeitsplatte und hat daher vorne eine schöne runde Kante. Die beiden "Holz"-Teile werden an ein Seitenteil angepasst, bis die Nasen in die dafür vorgesehenen Löcher flutschen. Stimmt alles, benetzt man die zu verlötenden Stellen mit ein wenig Lötwasser (ich verwende das Zeug von Sommerfeldt). Alsdann ebenfalls nur ein wenig Lot an die Spitze des Lötkolbens und dies an der zu verbindenden Stelle aufgebracht. Das Seitenteil habe ich dazu mit einer Wäscheklammer fixiert, das dünne Messing wird verdammt schnell verdammt heiss! Dank des Lötwassers fliesst das Lot von alleine in die richtigen Ecken, man kann, wenn nötig, noch ein wenig mit der Lötspitze "nachziehen" und das Lot verteilen.

Im zweiten Schritt wird das andere Seitenteil mit den "Holz"-Teilen verbunden. Das ging ja einfach! Ich war begeistert. Allein, die Begeisterung wich der Ernüchterung: Das Rad ist aus zwei Hälften zusammenzubauen und soll sich ja auch drehen, deshalb liegen noch zwei klitzekleine, etwa 1,5 mm durchmessende Scheibchen bei, die mit Abstand links und rechts vom Rad auf der Achse zu fixieren sind. Achse? Wo ist die Achse?? Auch intensive Suche förderte keine Achse zutage. Es lag keine bei. Also nahm ich ein Stückchen 0,3 mm Messingdraht (Reste vom Oberleitungsbau). Das passte dankenswerterweise genau durch die Öffnungen der Seitenteile und durch das Rad.

Den Messingdraht schnitt ich doppelt so lang wie nötig ab und führte ihn durch die erste Aufnahme, dann eine Distanzscheibe, das Rad und wieder eine Distanzscheibe auf die Achse und diese durch die zweite Aufnahme. Jetzt wurden zuerst die beiden Distanzscheibchen jeweils links und rechts vom Rad (das natürlich einigermaßen in der Mitte sitzen sollte) angelötet. Erst danach wurde die Achse an beiden Aufnahmen verlötet (aufpassen, dass das Rad nicht aus der Mitte rutscht!).

Die außen überstehenden Achsenteile abknipsen, die Grate wegfeilen - fertig!! Naja, nicht ganz, Farbe fehlt natürlich noch, aber erst werden die beiden anderen Messingkarren zusammengelötet...

Update:

Im Bausatz von Bavaria sind zwei Sackkarren und ein Handkarren. Den Bau des zweiten Sackkarrens habe ich mal in Bildern festgehalten und ein fleissiges Preiserlein zwecks Größenvergleich dazu gestellt. Das löchrige Ding, das auf manchen Bildern sichtbar ist, ist übrigens eine Keramikunterlage für Lötarbeiten. Sie verhindert, dass Tisch oder Schneidmatte sich stinkend und qualmend unter dem heissen Lötkolben auflösen...

Die Lötstellen kann man mit einer feinen Messingbürste noch reinigen und überflüssiges Lot entfernen. Vor der Lackierung muss das Teil unbedingt entfettet werden (Waschbenzin oder Aceton). Grundsätzlich eignen sich auch wasserlösliche Farben, die Bemalung ist aber dann nicht sonderlich grifffest, was bei einem Standmodell wie diesen Karren aber nicht weiter tragisch ist.

Fazit:

Mit viel Ruhe, einer noch ruhigeren Hand und dem richtigen Material/Werkzeug sind auch Messingbausätze problemlos zu montieren. An Filigranität kann ein Kunststoffmodell da nicht mithalten, es lohnt sich also!

Nach der Bemalung (schmutzig-braun, grau und schwarz) haben die beiden Sackkarren ein Plätzchen in/auf Weyersbühl gefunden. Machen sich gut, finde ich.

*Lötzubehör

Lötspitzenreiniger u. -verzinner "Tippy" und einen Trockenreiniger, dieses Zeugs aus messingfarbener Spiralwolle, sehr zu empfehlen, der gute alte nasse Schwamm ist, pardon, Murks!.