Ungefähr jeder Dritte...

...hat bei der Weyersbühl-Umfrage ange"kreuzt", dass er manuell und ohne PC-Steuerung fahren und schalten möchte. Wer digital fahren möchte, muss sich also erst mal für das geeignete Digitalsystem entscheiden. Das gilt natürlich auch, wenn man eine bestehende, analoge Anlage auf digitalen Fahrbetrieb umrüsten möchte. Wir mögen auch keine PC-gesteuerte Anlage. Wir schalten analog und fahren mit Digital plus von Lenz, deshalb beschreiben wir hier auch nur entsprechende DCC-Komponenten und Zusammenhänge.

Herr der Ring...

Egal, ob fertige Anlage oder im Bau: Voraussetzung für problemlosen Betrieb ist eine korrekte, ausreichend dimensionierte Verdrahtung. Für den Fahrstrom empfiehlt sich eine Ringleitung (bei Digital plus an die Klemmen J und K anzuschliessen). Diese Ringleitung sollte immer (analog oder digital) ausreichend dimensioniert sein - 0,75er Litze ist denkbar ungeeignet. 1,5er bis 2,5er Kabelquerschnitte sollten es je nach Länge der Leitung schon sein. Schliesslich fliessen hier Ströme nicht unerheblicher Stärke, und die können bei zu kleinem Querschnitt aus dem Drähtchen ein verkohltes Häufchen Elend machen. Also, die alte Apothekerweisheit schadet hier nicht: viel hilft viel.

Ist die bestehende Analoganlage fahrstromseitig solchermaßen verdrahtet, kann man auch mit wenig Aufwand auf Digitalsteuerung umrüsten. Dem Gleis und der Ringleitung ist es nämlich ziemlich gleichgültig, ob analoger oder digitaler Fahrstrom eingespeist wird. Ist die Anlage in verschiedene analoge Trafokreise aufgeteilt (zum Beispiel sichtbare Ebene / Schattenbahnhof), empfiehlt sich, diese Aufteilung beizubehalten und einen Kreis via Booster/Verstärker mit Saft zu versorgen. Der Booster/Verstärker erhält seine digitalen Informationen von der Zentrale über den XpressNet-Bus und gibt sie an den von ihm versorgten Teil der Anlage weiter.

SaftGenug Saft

Der benötigte Saft (sprich: die notwendige Leistung) wird gelegentlich unterschätzt. Wir zitieren zur Berechnung der benötigten Leistung hier mal aus der Digital plus Webseite:

6 Lokomotiven mit einer Stromaufnahme von je 0,7 A plus 40 Glühbirnen mit einer Stromaufnahme von je 0,05 A in beleuchteten Waggons ergeben eine Gesamtstromaufnahme von 6,2 A. Teilen Sie diese Gesamtstromaufnahme durch den maximalen Strom, den ein Verstärker liefern kann, und Sie erhalten die Anzahl der Leistungsbereiche.

Die Digital plus Zentrale liefert max. 5 A, für das obige Beispiel ist also schon ein zusätzlicher Verstärker erforderlich. Auch hier gilt: zuviel Leistungsreserve kann man nicht haben, zuwenig führt zu Problemen. In Weyersbühl versorgen 3 Verstärker die Anlage: die Zentrale (die ja einen Verstärker beinhaltet) den Bahnhof und die hintere Umfahrung, Booster 1 die Paradestrecke etwa an Kuhweide und die gesamte Abfahrt und Booster 2 kurz hinter der Tunneleinfahrt beginnend den Schattenbahnhof.

Im Bild die "Saftzentrale" von Weyersbühl: Zentrale und zwei Verstärker von Digital plus, ein Wechselstrom-Licht-Trafo von Titan und ein Gleichstromtrafo. Die Netzteile der Digital plus-Geräte liegen dahinter.

Bus-Verkehr

Die digitalen Informationen fließen, wie bereits beschrieben, über den sogenannten XpressNet-Bus. Dieser hat gegenüber dem S88 eine Menge technischer Vorzüge, auf die wir hier nicht weiter eingehen wollen. Gelegentlich kann man aber von einigen "Digital-Gurus" publizierte Nachteile des XpressNet lesen, von denen man sich als normaler Modellbahner aber keineswegs verunsichern lassen sollte. Zum Beispiel:

Xpressnet kann nur 31 Busteilnehmer ansprechen oder Xpressnet kann nur 1024 verschiedene Zubehördekoder ansprechen - Na und? Die private Anlage die mehr benötigt, möchten wir sehen! Auch die mögliche Länge des Bus ist bemängelt worden. Schön, wenn man über eine Anlage verfügt (und die Räumlichkeiten dazu!), die mehr als 1.000 (in Worten eintausend) Meter Bus benötigt. Und selbst wenn dem so wäre, auch dafür hat man bei Lenz garantiert eine Lösung parat. Und für den, der analog schalten will, ist die mögliche Anzahl der Zubehördecoder (Weichen, Signale) ohnehin uninteressant.

Für die Verdrahtung aller Digital-Leitungen gilt: zwecks Abschirmung verdrillen!

Ein weiterer Vorteil des XpressNet ist, dass Bedienteile (Handregler, LokMaus) während des Betriebs vom Netz abgezogen und wieder angesteckt werden können. Wozu soll das gut sein? In Weyersbühl gibt es zum Beispiel auch an der Anlagenrückseite einen XpressNet-Anschluss, für den Fall, dass im Schattenbahnhof oder in der hinteren Umfahrung irgendwas nicht fahren will und man zur Fehlerbeseitigung auch den Handregler benötigt. Wir haben uns allerdings auch den Luxus gegönnt, bei eBay ein paar Lokmäuse zu erstehen. Eine davon fristet ihr Dasein an der Anlagenrückseite baumelnd - für die beschriebenen Notfälle.

Haaaalt.

Als Digitalfahrer und Analogschalter hatten wir anfangs ein Problem. Im Schattenbahnhof sollen die Züge in stromlosen Abschnitten anhalten, diese werden dann mittels Taster auf dem Stellpult über ein Relais (damit man den Taster nicht festhalten muss, bis die Lok aus dem Abschnitt ausgefahren ist) wieder mit Strom versorgt. So weit so gut, für den Lokdecoder ist das kein Problem, denn der vergisst seine Einstellungen nicht.

Problematisch schien uns die Besetztmeldung, zumal wir weder Magnete unter Fahrzeige kleben noch Reedkontakte in die Gleise einbauen wollten. Aber auch hier gibt es Lösungen, wie zum Beispiel die von Link Uwe Blücher. Ohne ins Detail zu gehen: die Trennstelle des Halteabschnitts wird mit einem Widerstand gebrückt, der gerade soviel Strom durchlässt, dass die Besetztmeldung anspricht, der Decoder aber immer noch glaubt, er stünde auf einem stromlosen Gleis.

Im sichtbaren Bereich werden wir in Weyersbühl auf die ABC-Bausteine von Digital plus zurückgreifen: auf den Paradestrecken bremsen die Züge bei HP0 schön langsam ab und kommen am Signal zum Stand. Einbau und Verdrahtung sind recht einfach und in den Link Bedienungsanleitungen hinreichend erläutert.

Voraussetzung ist allerdings, dass der Lokdecoder ABC-fähig ist. Nachdem wir aber anfangs den Fehler begangen haben, wahllos und nur möglichst preisgünstig die Decoder auszuwählen, statten wir jetzt nach und nach alle Loks mit Link Silver plus Decodern von Digital plus aus.

Im gesamten Bahnhof fahren wir manuell, ohne Signalbeeinflussung (wir haben ja ohnehin nur Gruppenausfahrtsignale) und ohne Bremsbausteine.

StellpultDas Stellpult

Nun, ein zur Zeit heikles Thema. Irgendwie geht es da nicht richtig weiter. Der Elektr(on)ik-Spezi hat sich wohl ein wenig verrannt, die merkwürdigsten Dinge passieren beim Druck auf diverse Tasten. Da ist noch ein ziemlich großer Wurm drin, aber auch das werden wir noch in den Griff bekommen. So oder so.

Das Stellpult selbst haben wir aus einer Alu-Platte fertigen und den Gleisplan fototechnisch aufdrucken lassen; die Bohrungen für LEDs und Taster (Brawa) sind exzellent und passgenau, das Teil sieht einfach nur edelst aus! Wenn's dann mal fertig ist, werden wir natürlich auch Bilder einstellen. Geliefert hat das Stellpult Link Fobeal.

Das dunkle Rechteck oben rechts wird übrigens ein Adressdisplay von Digital plus aufnehmen. Dieses Gleis (führt zum Lokschuppen) ist umschaltbar von normalem Betrieb auf Programmiergleis, die RailCom-Adressanzeige funktioniert im Normalbetrieb.

Also?

Umsteigen von analog auf digitales Fahren ist völlig problemlos, wenn die Anlage ordentlich und korrekt verdrahtet ist. Und in der Planungs- bzw. Bauphase gibt es auch nur wenig, das für den Betrieb mit einer Digitalzentrale zu beachten ist.

Man sollte sich keinesfalls von irgendwelchen superschlauen Gurus oder halbinformierten Händlern beeinflussen lassen, sondern "sein" Digitalsystem in Ruhe aussuchen und dann entsprechend weiterarbeiten. Wer aber "nur" für seine Heimanlage plant, der sollte den Gedanken an ein Multiprotokollsystem gleich wieder vergessen: es macht wenig Sinn. Und wer auf der sicheren Seite sein will, aber nicht gaaanz viele Euronen für das Zimo-System ausgeben mag (das mit dem CAN-Bus arbeitet), der ist für Einstieg oder Umstieg mit DCC und XpressNet bestens bedient.